München – Sie erhofften sich makellose Schönheit. Nun sind sie für immer entstellt.
Durch die vermeintlichen Pfuschereien von „Dr. Frankenstein“. So nennen die Opfer Sebastian V. (41), ihren Schönheits-Chirurgen.
Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft u. a. wegen gefährlicher Körperverletzung, in einem Fall sogar wegen fahrlässiger Tötung. Sein Anwalt erklärte dazu: „Bisher wurde in keinem Fall Anklage erhoben.” Zudem laufen auch noch mehr als 20 Schmerzensgeld Zivilklagen gegen den Münchner Arzt! Bisher wurden zwei Klagen abgewiesen, in einem Fall (verpfuschte Nase, Anm. d. Red.) verglich er sich vergangene Woche mit der Klägerin, zahlte 14000 Euro an sie.
Chirurg Sebastian V. beteuerte bei einem Schandensersatz-Verfahren: „Bei 500 Operationen gab es nur eine Nachblutung.“ Die Patientinnen, mit denen BILD sprechen konnte, sehen das anders.
Andrea L. (34) ging zum Beauty-Doc, weil sie ihren Körper wieder in Form bringen wollte. „Ich hatte über 30 Kilo abgenommen, wollte alles etwas straffen lassen“, sagt die zweifache Mutter. 7000 Euro zahlte sie für die Brust-OP und Bauchdeckenstraffung. „Er hatte TopBewertungen, war extrem freundlich und charmant“, sagt die Frau aus Niederbayern. Nach dem ersten Eingriff gerieten ihre Brüste komplett aus der Form, „auch die Brustwarzen waren eher viereckig“. Noch drei Mal operierte sie Sebastian V., um zu korrigieren. „Einmal zog er die Nähte so fest an, dass die Brust aufplatzte, das Implantat zu sehen war“, erzählt sie. Bei einer OP sei sie sogar aufgewacht, musste die Schmerzen des Eingriffs im Dämmerzustand erdulden. Das traumatisierte die junge Frau nachhaltig.
Nach den Eingriffen durch Dr. V. „wurde alles schmerzhaft hart“, erzählt sie. Kapselfibrose! Andrea L. suchte einen anderen Facharzt auf. Und ging durch die Hölle. „Meine Brüste waren so verpfuscht, es musste alles komplett amputiert und wieder neu aufgebaut werden.“ Vier weitere Eingriffe für 23000 Euro musste sie über sich ergehen lassen. „Ich habe bis heute Schmerzen, nehme Tabletten, bin in psychischer Behandlung. Mein Sexualleben ist kaputt. Ich habe Ängste entwickelt, konnte meinen Beruf als Verkäuferin nicht mehr ausüben.“ Noch immer sei sie dabei, zu lernen, mit dem Ergebnis weiterzuleben.
Sabine L. (30, Name geändert) aus Oberbayern will von Sebastian V. 60000 Euro Schadensersatz einklagen. Sie hatte sich beim Beauty-Doc nicht nur die Brust, sondern auch die Nase operieren lassen. Beides geriet für die junge Zweifach-Mutter zur Katastrophe. Ihr Gesicht will sie nicht zeigen. Zu groß ist die Scham und der Makel. „Meine Nasenspitze ist kaum noch durchblutet, die Gefahr, dass sie abstirbt, ist groß. Die linke Nasenmuschel ist nicht mehr vorhanden, ich bekomme kaum Luft“, beschreibt sie.
Ein ähnliches Schlachtfeld seien ihre Brüste. Sabine L. ist kaum 1,60 Meter. „Mir hat er auf jeder Seite 550 ml eingesetzt. Viele zu groß.“ Nach dem Eingriff hatte sie extreme Schmerzen, die Brust sackte ab. Die Brustwarzen waren plötzlich Unterteller-groß und sternförmig. „Die hat er zickzack-förmig angenäht“, sagt sie. Für 13500 Euro ließ sie sich ihre Brüste bei einem anderen Arzt korrigieren. Ihre Nase aber wird so bleiben müssen. „Die operiert kein Arzt mehr.“
Lena K. (28, Name geändert) kann nicht mehr auf dem Bauch liegen, seit sie sich bei Sebastian V. einer Brust-Vergrößerung unterzogen hat. Zu groß sind die Schmerzen. „Sie reichen bis in die Oberarme. Auch meine Achseln sind taub“, sagt die junge Mutter. Dreimal hatte sie sich ihre verpfuschten Brüste nach dem Eingriff korrigieren lassen. Eine geplante vierte OP wurde nicht mehr durchgeführt. „Ich wurde schwanger.“ Doch was bei den Operationen ablief, kann Lena K. bis heute nicht fassen. „Ich hatte Körbchengröße 75 AA. Nach der OP war es plötzlich 75 E. Viel zu groß. Das war so auch nicht abgesprochen.“ Sebastian V. hatte ihr auf jeder Seite Silikonkissen mit jeweils 425 ml Volumen eingesetzt. Die Wunden hatte er nach einigen weiteren, kleineren Eingriffen mit Fäden „so dick wie eine Angelschnur“ vernäht. „Es sah schrecklich aus.“
Lena K. hatte schlimme Schmerzen, trug schwere Nervenschädigungen davon und musste sich danach drei Korrektur-Eingriffen unterziehen, „um noch zu retten, was zu retten war“. Die Schmerzen sind bis heute geblieben. „Auch ein Stillen war natürlich nicht möglich“, sagt die junge Mutter. 5000 Euro hatte sie für den Horror bezahlt – sie will Dr. V. jetzt auf einen sechsstelligen Betrag Schadensersatz verklagen.
Das Kabinett des Dr. Frankenstein
25 Frauen haben sich in der WhatsApp-Gruppe „Dr. Frankensteins Kabinett“ zusammengetan und tauschen sich über ihre verpfuschten Schönheits-OPs aus. Mit „Dr. Frankenstein“ meinen sie ihren Arzt, den Münchner Chirurgen Sebastian V., den sie für Dellen, zackige Brustwarzen und Amputationen verantwortlich machen.
Viele der Frauen wehren sich jetzt, klagen auf Schadensersatz – zum Teil im sechsstelligen Bereich. Als Profil-Bild wählten sie eine gelbe Rose mit dem Spruch: „Egal wie schwer der Weg ist, wir gehen ihn zusammen.“